Das Reiskorn

Teil II – Kauderwelsch – Wort für Wort | Februar 24, 2010

Eingekehrt in das Land der Morgenstille – Stille? Von wegen! Von überall höre ich Stimmen, die mir, in einer mir noch unverständlichen Sprache, etwas mitteilen wollen. Und nein damit sind keinesfalls die sehr hilfsbereiten, zutraulichen Menschen gemeint, die meinen Aufenthalt hier bisher geprägt haben. Es sind Gegenstände die mit mir reden! Die Rolltreppen auf Bahnhöfen, die Aufzüge im Wohnheim, die Ampeln auf der Straße – ja selbst mein eigenes Zimmer! Wäre ja alles nicht so schlimm – wenn ich denn verstünde, was man mir sagen will. Aber das wird sich bald ändern. Ab dem 15. März soll sich der Schleier lichten. Von da an besuche ich vier Tage die Woche von 9-13 Uhr den Koreanischunterricht – und es soll erfolgreicher verlaufen, als meine Bemühungen mit Russisch der letzten Jahre.

Die Sprache ist ein echtes Handikap, was mich auch so außergewöhnlich motiviert sie hoffentlich bald in Grundzügen zu beherrschen. Ich empfinde mich weit mehr als Eindringling, wenn ich den Menschen nicht in ihnen vertrauten Worten begegnen kann. Sicherlich auch ohne einen einzigen Brocken Koreanisch könnte man einfach nur klar zu kommen. Entweder ernährte man sich ausschließlich von Produkten aus der Heimat (wobei Heimat hier weit zu fassen ist. Gefühlt ca. ganz Westeuropa und Nordamerika…) oder vertraut darauf, dass sich in Flaschen mit orangener Flüssigkeit, auf denen Orangen abgebildet sind, sich auch tatsächlich Orangensaft befindet. Aber das will ich nicht, ein wenig mehr als nur überleben darf es schon sein.
Allen Barrieren zum Trotz fühle ich mich sehr herzlich aufgenommen. Mein Buddy kümmert sich rührend um mich und ich bin ihm schon jetzt zu ewigem Dank verpflichtet – und mit ihm kann ich sogar reden, denn sein Englisch ist hervorragend. Und selbst wenn nicht – ohne ihn wäre ich völlig aufgeschmissen, komme ich doch alleine noch nicht einmal nach Downtown, zumindest nicht ohne größere Umstände. Dann und wann verwendet er einige Begriffe die mir putzig antiquiert erscheinen. Die Ausdrücke „Convinient store“ für den kleinen Supermarkt auf dem Campus, oder „Department Store“ für ein Einkaufszentrum sind nicht unbedingt Worte die sich in meinem Umgangswortschatz finden.

Wie man sich vielleicht denken kann, gesellt sich zu verbalen Verständigungsschwierigkeiten das weite Feld der non-verbalen Kommunikation hinzu. Merke: Den Leuten nicht die Hand geben, das tut man hier nicht. Die Begrüßung ohne Körperkontakt durch bloßes Nicken oder Verbeugen halte ich zunächst für sehr gewöhnungsbedürftig.

Kleine Hörempfehlung am Rande: http://www.youtube.com/watch?v=GYf2mky1Tk0


Veröffentlicht in Kommunikation

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