Das Reiskorn

Teil III – The Hangover

Februar 25, 2010
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„Ich bin wach. Ich. Bin. Wach.“

Eigentlich ist alles wie immer – um 10.00 sollte ich im Office of International Affairs sein, um 9.33 bin ich aus dem Bett gefallen… und pünktlich war ich trotzdem. Die kleinen Bequemlichkeiten eines Internatszimmers. Gut das wären dann auch fast alle Bequemlichkeiten, denn die Maße meines Reiches belaufen sich auf grob 2.5 mal 2.5 Meter, die ich mir früher oder später noch mit jemandem Teilen darf. Allerdings habe ich meine gemütliche Ecke, darin einen angenehmen Stuhl und Zugang zum weltweiten Netz, also kein Grund zum Klagen.

Meine Welt auf gemütlichen 7 qm

Auch mein Körper fühlt sich bestens, denn abgesehen davon, dass ich mich keinesfalls wie 12 Uhr Mittags fühle, kann ich von einem Jetlag nicht viel ausmachen. Stellt sich heraus, der unregelmäßige Schlafrhythmus der vergangenen Jahre, die vielen durchtanzten Nächte, als perfekte Vorbereitung für den Sprung auf die andere Seite des Erdballs waren sie doch für etwas gut.

Als das Anstrengendste an diesem über 13 Stunden dauernden Sprung empfand ich die Wartezeit am Einreiseschalter. Das Ziel bereits zum Greifen nah, seit 20 Stunden auf den Beinen und gefühlt war es ca. 4 Uhr Morgens und sich dann eine ¾ Stunde in einer Schlange von Chinesen die Beine in den Bauch stehen, damit man meinen Reisepass abnicken kann. Als ich aus dem Flugzeug kam fühlte ich mich noch wach und erfrischt, Min-Ki, meinen liebenswerten Buddy und Helfer in allen Lebenslagen, hätte ich dann allerdings am liebsten erst einmal um zwei Streichhölzer für die Augen gebeten.

Von Beijing, der Zwischenstation meiner Reise in den Fernen Osten, konnte ich beim Passieren des Flughafens nicht viel sehen, bis auf einen wundervollen Sonnenaufgang im Nebel über dem Rollfeld – dafür hat sich das Umsteigen aber gelohnt. Der Flughafen selbst erschien mir mehr wie eine Karikatur Chinas, wie sie sich ein Europäer vorstellen würde. Als wesentlich interessanter empfand ich die Panik der Chinesen vor einer etwaigen Seuche, primär natürlich der Schweinegrippe. Im Flugzeug wurden alle Passagiere dazu angehalten Zettel auszufüllen, um ihren Gesundheitszustand anzugeben. Bei verlassen des Flugzeuges passiert der Reisende zuerst Wärmesensoren, um verdächtig hohen Körpertemperaturen auf die Schliche zu kommen und danach ist der Flughafen nicht arm an Hinweisschildern, die den Unbedarften dazu auffordern, sollte er jedwede Symptome einer Grippe zeigen, sich umgehend beim Flughafenpersonal zu melden. Wehe dem, der hier öffentlich niesen muss. Ein Schicksal das mir erspart blieb – dafür findet sich in meinem nicht mehr ganz jungfräulichen Reisepass ein fescher Stempel der Volksrepublik China.

Während der 8 Stunden Flug von Frankfurt über Sibirien nach Beijing hätte ich gern etwas geschlafen, aber die Enge der Economy Class, sowie ein sehr komfortables Film-Menü hielten mich davon ab. Somit habe ich die Zeit vielmehr damit verbracht, gravierende Lücken meiner cineastischen Bildung zu schließen. Den Anfang macht „Caroline“, die noch auf einem der 7 Video-Kanäle in Endlosschleife flimmerte. Anschließend fand ich heraus, wie ich die freie Filmauswahl mit der beidseitigen Fernbedienung funktioniert und der Rest des Flugs ist schnell erzählt: „G.I.Joe“, „The Ugly Truth“ und „Transformers II“. Erster gäbe meiner Meinung nach ein wesentlich besseren Star Wars Nachfolger ab als alle drei neuen Teile zusammen. Alles was dem Streifen zur herausragenden Space-Saga fehlt, ist der Hauch des märchenhaften, der die Orginal-Filme stets umwehte. „Es war einmal, vor langer Zeit…“ – ach und der Weltraum fehlt natürlich auch, das fällt aber nicht weiter auf.

Die Qualität des Essens bewegte sich ungefähr auf dem Niveau von Schulkantinen, Hanse-Menü lässt grüßen, und die Stewardessen versprühten auch ungefähr die gute Laune wie das damals übliche Küchenpersonal. Freude an der Arbeit sieht anders aus.

Irgendwo unterwegs fand sich sogar Zeit das koreanische Alphabet zu lernen – dabei ist es dann allerdings auch geblieben.

Morgen soll es dann mit einem wahrlich spannenden Thema weitergehen: Ein erster Bericht über das Essen im Land der Morgenstille, hoffentlich satt und zufrieden in die Tasten gegeben.


Veröffentlicht in Kino & Film, Reise
    Eine kleine Reise durch das Land der Morgenstille
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