Das Reiskorn

Teil IV – Schleimig aber vitaminreich

Februar 27, 2010
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Heimgekehrt bin ich, von dem Versuch eine Mahlzeit zu erwerben. Glücklos bin ich nicht geblieben, wenngleich auch nur aufgrund der Hilfe eines netten Chinesen, der seit Jahren den Namen „John“ führt, auf den ihn sein Englischlehrer einst taufte, obwohl er gewiss nicht unter diesem Synonym geboren wurde. Wobei der Begriff Mahlzeit hier in seinem weitesten Sinne zu fassen ist, denn satt geworden bin ich wohl, aber in der Hauptsache allein von trockenem Reis. Denn die dazu servierte Suppe, die unsere Mensa augenscheinlich jeden Tag auf den Tisch bringt, schmeckt leider so wie der Strand von Fanö (eine dänische Insel auf der ich in jüngeren Jahren öfter geruhte mit meinen Eltern Urlaub zu machen) bei Ebbe riecht. Für jene, denen es noch nicht vergönnt war ihr Gesicht von der Brise der Nordsee umwehen zu lassen, mag der Vergleich mit dem Geruch von Hafenwasser dienlich sein, nur in abgeschwächter Intensität. Letztendlich irgendwie nach totem Fisch. Das konnten die Beilagen leider auch nur bedingt ausgleichen, da der koreanischen Küche der Brauch zu eigen ist alles, was nicht warm auf den Tisch kommt, in Essig einzulegen. Insbesondere Kim Ch’i, eingelegter Kohl, unter Umständen auch mit Gurken zubereitet, findet sich als Beilage zu fast jedem koreanischen Essen. Dieser schmeckt auch nicht unbedingt schlecht, nur ist die konstante Essigsäure für den europäischen Gaumen zunächst gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus ist der Kim Ch’i natürlich gut gewürzt, was er mit den meisten anderen koreanischen Gerichten, ob heiß oder kalt gemein hat. Glücklicherweise habe ich für diese Eventualität bereits ausreichend in deutschen Landen geübt, sodass die Sorge meiner koreanischen Freude ob meiner Geschmacksnerven eine unbegründete ist. Der Schaden ist bereits angerichtet, die Jungs haben unlängst schon das Zeitliche gesegnet.

Kaum scharf war dahingegen eine Sauce, die mir in den ersten Tagen ebenfalls schon öfter zu, wie könnte es anders sein, Reis aufgetischt wurde, die, mit einer mir unbekannten Form von Kohl und/oder Lauch gemacht, in ihrer Farbe stark an die dunklen Blautöne von Tinte erinnerte. Die Kombination hat durchaus gemundet, nur birgt sie für mich als Europäer den Nachteil im Erscheinungsbild – wie so viele Gerichte der koreanischen Küche. Mir ist es zumeist lieb wenn ich aus dem Anblick meiner Speise noch erahnen kann, welche (Grund)zutaten dereinst zur Zubereitung verwendet wurden. Womöglich lässt sich der erste Eindruck der meisten koreanischen Gerichte mit „schleimig“ recht passabel zusammenfassen.

Schlimmer geht bekanntlich immer und wo der Geschmack der hier am Campus stets servierten Suppe lediglich ein unangenehmer war, wurde mir beim Versuch getrocknetes Seegras zu genießen gleich völlig anders zumute. Denn anders als beim Suppengericht, bei dessen skeptischer Betrachtung mir auch schon der ein oder andere Tentakel über den Weg schwamm, verlangt, um sich den Geschmack von getrocknetem Seegras adäquat vorstellen zu können, der angenommene Geruch von altem Hafenwasser einer gedanklichen Potenzierung. Zum Zeitpunkt dieses Experiments befand ich mich mit Hana gerade in der Lebensmittelabteilung der Kaufhauskette „Lotte“, eine Marke von der es in Korea quasi alles gibt, vom Supermarkt über Kleidung, zu Kinos und Fastfood Restaurants, also habe ich mein Heil bei den Getränken gesucht. Dabei stieß ich auf einen sehr leckeren Tee, dessen Geschmack mich stark an den der Reiscracker bei uns im Lande erinnerte, und der im Gegensatz zu jedem anderen Erfrischungsgetränk, das man bei uns bekommt, keinen Zucker oder Ersatzstoff enthielt. Er war, wie sich das für Tee gehört, einfach nicht süß – unglaublich.

So sei hiermit Entwarnung gegeben, denn mir sind in meinen ersten Tagen auch durchaus sehr leckere Speisen zwischen die Kiemen gekommen, aber von denen berichte ich ein Andermal, wenn zum einen ihre Liste bereits länger geworden und ich zum anderen womöglich bereits in der Lage bin, ihre Namen zu nennen.

Eine kleine Auswahl der hiesigen Erfrischungsgetränke


Veröffentlicht in Koreanische Delikatessen
    Eine kleine Reise durch das Land der Morgenstille
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