Das Reiskorn

Teil VI – Hauptbahnhof… bitte alles auf Durchzug schalten | März 2, 2010

Jetzt geht’s los! Am heutigen Tage erlebte ich meine erste koreanische Vorlesung – aus der ich bestimmt sogar zwei Dutzend Worte verstanden habe! Wendungen wie „case study“ oder „final paper“ konnte ich erfolgreich aus dem Redeschwall der Dozentin herausfiltern. Aber alles der Reihe nach.

Pünktlich, also weder als Letzter und sogar wenige Minuten vor der angesetzten Zeit gelang es mir den richtigen Raum zu finden. Dass ich dafür zunächst in die dritte Etage musste um den Gebäudeteil zu wechseln, um dann wieder hinab in die Zweite zu steigen, sei nur am Rande erwähnt. Im Klassenzimmer, denn nicht anders empfand ich die Einrichtung auf den ersten Blick und allein das große Holzpult an der Stirnseite konnte diesen Eindruck trüben, blickte mir eine erstauntes halbes Dutzend Studenten entgegen, von den ganz klar niemand erwartete mich zu sehen. Einen Platz gefunden und den jungen Herren vor mir gefragt, ob ich denn im rechten Raum säße. Das konnte er mir bestätigen, zeigte sich allerdings ob meiner Anwesenheit verwirrt, sprach ich doch ganz eindeutig nicht seine Sprache. Meine Annahme, dass der Kurs in Englisch sei, schien alle Anwesenden zu überraschen und ich fürchtete schon, mein eh bereits überschaubarer Stundenplan könnte noch weiter zusammenschmelzen.

Denn neben den 16 Stunden, die man damit zubringen wird mir die koreanische Sprache einzubleuen, findet sich lediglich Zeit für zwei weitere Kurse, die wenigstens entfernt in meiner Interessensphäre lägen: US Economics und European Trade, jeweils 3 Stunden die Woche… alle Mittwochs. Im Endeffekt wird dies für mich bedeuten an diesem Tag morgens um 9 loszulegen und gegen 18 Uhr fertig zu sein – auch mit den Nerven, denn bis dahin ohne nennenswerte Pause. Manch ein (Nicht-)Student wird sagen, endlich ein normaler Tag für diesen Mann. Die restliche Zeit soll allerdings keinesfalls gefaulenzt werden, gibt es doch schließlich Hausarbeiten zu schreiben und Sprachen zu erlernen (jaha mehrere, baumelt doch fürderhin das Damoklesschwert einer russisch Prüfung über meinem Haupt).

Meine Befürchtungen über ein zukünftiges Verständnisproblem meinerseits der Dozentin gegenüber zerstreuten sich jedoch glücklicherweise bei ihrem Eintreten, das mit der Begrüßung der „Klasse“ auf Englisch einher ging. Ja die Vorlesung würde auf Englisch gehalten. Dennoch verstand ich zunächst einmal nur Hauptbahnhof. Denn wie es sich mit ersten Stunden überall auf der Welt verhält, diente auch diese zunächst allein der Einstimmung auf das kommende Semester – in Koreanisch versteht sich. In meiner Hilflosigkeit stand mir allerdings ein neuer Freund zur Seite. Yoon, Student der Koreanisch-Russischen Handelsbeziehungen, bot mir den freien Platz neben sich an und übersetze simultan die wichtigsten Ansagen vom Dozentenpult. Ein echt netter Kerl mit dem ich hoffentlich noch einiges mehr Zeit verbringen werde, vielleicht auch hier im Wohnheim, wo auch er (wie eigentlich alle?) unterkommt. In diesem Zusammenhang wurde auch beschlossen, die eine Dienstagsstunde auf den Mittwoch zu verlegen und so den gesamten Kurs zu einem Block zusammen zu ziehen.. Halleluja!

Des Weiteren fand ich mich in einem kurzen Höhenflug der Vorfreude wieder, der leider in einer nicht völlig rosigen Landung endete. Ich habe nämlich Schwarzbrot gefunden! … nun gut vermeintliches Schwarzbrot. Endlich wieder mit Bargeld bewaffnet, fand ich mich auf der neu am Campus eröffneten bakery „Grazies“ ein um dort zu meinem Entzücken dunkles (!!!) Brot zu entdecken – ein seltenes Privileg außerhalb deutscher Landen. Also ordentlich was eingesackt (es gab unterschiedliche Exemplare) und zum Festessen mit Heimatgefühlen aufs Zimmer geeilt. Doch oh-weh schon die Ouvertüre in Form eines in Kräuteröl/butter gebratenen Baguettes bringt erste Ernüchterung: Ich halte ein süßes Gebäck in Händen! Die dunklen Brotfladen entpuppen sich auch sehr schnell als eher kuchenähnliche Gebilde mit einer Fruchtfüllung, von denen eines sogar innen rosa ist. *schauder*

Nachdem ich gestern das erste Abendessen im Wohnheim verpasst habe, ging ich mit dem wenigen Bargeld was vom Vormonat noch verblieben auf die Jagd nach einer alternativen Nachrungsquelle. Der örtliche 7Eleven, eine Mischung aus Kiosk und kleinem Supermarkt, ein Tante-Emma-Laden als Filialen-Kette quasi, bietet leider hauptsächlich Süßwaren, süßes Gebäck sowie Instant-Gerichte an, deren Inhalt und Zubereitung mir jedoch weiterhin ein Rätsel sind. Allerdings gibt es dort auch eine Sorte Brot, oder das was sie hierzulande für Brot halten und dem hätte ich mich genügsam gefügt – hätte es nicht 1800 Won gekostet, während sich in meinen Taschen lediglich 1790 Won zusammenkratzen ließen – Halleluja – Murphy ich mag dich. Aber jetzt bin ich ja wieder flüssig!


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