Das Reiskorn

Teil VIII – To Paris with love | März 11, 2010

An meinem Geburtstag gab es noch ein ganz besonderes Geschenk, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet hätte. Am Freitag kam hier Leben in die Bude, als auf einen Schlag eine Gruppe von neun Franzosen im Wohnheim Quartier bezog. Und das mir. Dem frankophilsten aller Kinder unter der Sonne. Nun gut, selbst die Zeiten meiner persönlichen Ressitements gegenüber diesem Land, oder vielmehr seiner Sprache sind nunmehr bereits eine Weile vorüber, doch dass ich nun in Korea final einen Grund finde, auch ohne Ketten unser Nachbarland zu besuchen, erscheint mir schon eine seltsame Fügung des Schicksals. Oder auch einfach nur konsequent, geht doch die Idee meines Besuches hier auf meine Bekanntschaften in Great Britain zurück. Ach, wie klein ist Welt.

Freitag brachte auch meinen ersten Besuch eines koreanischen Kinos, dass sich allein im Ausmaß der gegebenen Beinfreiheit von den deutschen unterscheidet. Es gab Tim Burtons Interpretation von Alice im Wunderland zu sehen und leider blieb bei mir als großes Plus lediglich der englische Akzent der echten Schauspieler hängen. Im Gesamteindruck handelt es sich um die lieblose Effekt- und Aktionversion einer einstmals ganz zauberhaften Geschichte, die zu allem Überdruss auch noch ohne eine spannenden oder auch nur im Versuch wendungsreichen Plot auskommt.

Der Depp machte natürlich trotzallem eine gute Figur

Chronicles of Narnia meets Wonderland – Sleepy Hollow wäre mir als Sparring Partner lieber gewesen.

Sowie ich jedoch von diesem Ausflug nach Hollywood zurückkehrte, saß in der Wohnheimlobby eine Ansammlung ganz und gar nicht asiatisch dreinschauender Zeitgenossen. Noch nicht einmal Inder oder Araber (die ja, wenn man es genau nimmt auch Asiaten sind) derer wir hier auch einige haben (und zu denen ein gewisses Ghettoverhältnis besteht – die Europäer bleiben unter sich, die Inder bleiben unter sich und die Chinesen vermutlich auch… sollte man dringend ändern!). Die Neun waren/sind Studenten der Wassertechnik/Hydraulik aus Nizza und ganz frisch vom Flughafen in unsere luxuriösen Unterkünfte eingekehrt. Selbst leicht überwältigt von der hohen Anzahl vertrauter Gesichtszüge, habe ich sie direkt mit Fragen überfallen. Im Gegenzug konnte ich mich mit einigen Auskünften revanchieren, darüber was es gibt, was geht und was nicht. Da auch ihre Uni nicht zum ersten Mal Studenten nach Incheon entsandt hat, konnte sie mir leider bestätigen, was mir Philipp bereits erzählt hat. Der ab Montag anlaufenden Sprachkurs wird ungünstigerweise von einer Lehrkraft gehalten, die des Englischen nicht mächtig ist. Es bleibt also spannend.

Am nächsten Tag war es ursprünglich geplant mit Hana Eierkuchen zu fertigen, um sich dann auf Incheon zu stürzen. Sie hat sich allerdings krank gemeldet und so endete ich stattdessen als Fremdenführer auf den ersten Schritten in einer neuen Welt. Die Hälfte der Franzosen entschied sich jedoch als ihr erstes echtes koreanisches Mahl einen Bic Mac zu ordern. Urteil: Kein Unterschied zur Heimat. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass auch ich, entgegen besserer Vorsätze, bereits bei McDonalds eingekehrt bin, wobei den Bulgagi-Burger, den ich dort gespeist, wird man in Europa vergebens suchen. Was eigentlich schade ist, da diese koreanische Art Fleisch zu grillen mir besser schmeckt, als die normale Fast-Food Variante.

Der Burger war gewissermaßen der Schlusspunkt eines amüsanten Abends in einer erstaunlich britischen Bar im Zentrum von Incheon. Fatima kommt zwar auch aus Frankreich, lebt allerdings schon seit Anfang Dezember hier und kennt daher schon das ein oder andere interessante Fleckchen in der Stadt. Der Kontakt zu ihr und auch zu Fouad, seines Zeichens ebenfalls Franzose, der bereits das vergangene Semester mit Philipp hier verbracht hat, kam erstaunlicher erst über ihre Landsleute zustande. Mag es daran liegen, dass nationale Grenzen auch am anderen Ende der Welt noch erste Hürden setzen?

Den Regeln der Internierungsanstalt für entrechtete Studenten Süd-Koreas gedankt, endete der Abend früh, da eine Rückkehr nach Mitternacht… unerwünscht ist. Fünf Uhr Morgens öffnen sich die Pforten unseres trauten Heims zwar wieder, aber für einen ausgedehnten Trip durch die Nacht waren dann doch die wenigsten zu haben. Ich auch nicht unbedingt, hatte ich mir genau diesen Spaß erst zwei Nächte zuvor erlaubt, als mir Philipp einen kleinen Ausschnitt des Nachtlebens von Seoul zeigte. Erkenntnis: Soju, zwanzig prozentiger Reisschnaps, ist lecker – zu lecker wenn es nach meinem Kopf und meinem Magen am darauffolgenden Magen ginge. („I like Soju, bzt Soju doesn’t like me“ – wer errät auch welches Filmzitat ich mich beziehe kriegt ein Bienchen)

Aus diesem Grund kam mir die Zurückhaltung am Samstagabend eher entgegen, aber gewiss möchte ich der Bar bald wieder einen Besuch abstatte, die mich bei meinem Eintreten so lieblich mit den Klängen von E-Gitarren empfangen hat. Eine Erlösung von dem hier so allgegenwärtigen K-Pop Gedudel. Welcher Musikrichtung die meisten meiner Begleiter jedoch ihr Herz verschrieben haben, war unschwer am zufriedenen Nicken ihrer Köpfe zu erkennen, als die Jukebox für kurze Zeit auf bassbeflügelte Sprechgesänge umschwang. Die selbe Jukebox übrigens, die auch Manson spielen kann.


Veröffentlicht in Essen & Trinken, Kino & Film

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