Das Reiskorn

Teil XIII – Denn du bist, was du isst | Mai 8, 2010

Heute gibt es einen kleinen Einblick in das koreanische Essen. Nachdem ich euch, meiner werten Leserschaft zu Beginn einen ganz gräulichen Eindruck der hiesigen Küche vermittelt habe und ihr euch zwischendurch immerhin einen bildlichen Eindruck davon machen konntet, was hier so alles auf dem Tisch steht, möchte ich jetzt einige explizit lobende Worte anbringen. Man muss nicht einmal Fisch mögen um hier sehr, sehr lecker essen zu können.

Die koreanische Essgewohnheiten unterscheiden sich grundlegend von unseren. Da ist an erster Stelle natürlich der Reis, der hier sowohl das Brot, als auch die Kartoffeln, als auch die Pasta ersetzt. Es gibt einfach zu jeder warmen Mahlzeit Reis und anders als daheim gibt es derer pro Tag drei. Eintopf, Reis, Kim’chi und zwei weitere Beilagen – so sieht ein traditionelles koreanisches Frühstück aus. Natürlich hält auch hier der Lebensstil des großen Bruders Amerika Einzug und Sandwiches oder Cornflakes sind mittlerweile durchaus üblich. Auch die junge Generation zieht es aber weiterhin vor ihr Essen zu teilen. Viele Restaurants oder Lieferanten bieten gar keine Gerichte für Einzelpersonen an. Lange habe ich mich gewundert warum das frittierte Hähnchen so teuer ist, bis ich nach einer Bestellung feststellte, dass diese Menge niemals für mich alleine konzipiert war. Klassischerweise stehen in der Mitte eines sehr niedrigen Tisches, vor dem man nur auf Kissen sitzt oder kniet, viele kleine Schalen mit verschiedensten Beilagen aus denen sich jeder mit seinen Stäbchen bedient. Eigentlich ist es kulturell nicht vorgesehen etwas alleine zu tun.

비빔밥/ Bibimbab / Allerlei Reis

Ein Gericht das einst aus der Not geboren, ist heutzutage ein Klassiker an jeder koreanischen Tafel. Als Korea vom Krieg verwüstet und bitterarm fand man mit diesem Reistopf eine abwechslungsreiche, aber kostengünstige Möglichkeit der Sättigung. Meistens finden sich darin fünf verschiedene Gemüsesorten, darunter Sojasprossen, Bohnen, Möhren, häufig Pilzen angereichert mit ein wenig Fleisch und garniert mit einem gebratenen Ei. Vermengt wird das Ganze dann mit einer schön scharfen Soße und sieht herrlich unappetitlich aus. Schmeckt aber voll lecker.

돈까스 / Tongasse / Schnitzel (!)

Wenn einem saurer Kim’Chi, scharfe Topoki, schwarze Nudeln oder Fisch in all seinen Farben und Formen nichts ist, auf das gute, deutsche Schnitzel ist auch am anderen Ende der Welt verlass. Gut hier hält man es für eine Erfindung der Japaner, aber das hindert sie nicht daran es trotzdem schmackhaft zuzubereiten. Egal ob vom Huhn, von der Pute oder vom Schwein, manchmal mit Käse gefüllt, aber immer paniert, schwingt beim Verzehr eines Tongasse immer ein Hauch Heimat mit. Allein eines haben sie noch nicht ganz gemeistert. Wenn ich mein Schnitzel schon knusprig paniere, wo ist der Sinn eben jene Panade anschließend mit Bratensoße wieder aufzuweichen?

토포키/ Topoki/ Reiskuchen in scharfer Soße

Süßer Reiskuchen ist schwer widerlich. Packt man ihn aber in scharfe Soße erhält man das koreanische Äquivalent zum Kartoffelkloß – und das ist mindestens genauso schmackhaft. Selten als eigene Mahlzeit, sondern als eine von vielen Beilagen serviert, isst man dazu natürlich weiterhin Reis.

볼고기/ Bulgogi/ Fleischpfanne

Die koreanische Art Fleisch zu garen. Viel weiß ich darüber nicht zu sagen, nur dass es aus einer großen Pfanne, mit viel, viel Zwiebeln stammt, gar nicht mal so scharf ist und hier bei McDonalds auch als Burger angeboten wird.

김치/ Kimch’i

Der Allgegenwärtige. Kohl, Rettich, Kopfsalat oder was man sonst noch sauer-scharf einlegen kann, wenn schon drei mal am Tag, dann wenigstens mit etwas Abwechslung. Bisher habe ich schon so Manchen hier gefragt, wie man diese traditionelleste aller Traditionen denn zubereitet… und erschreckenderweise waren sie sich alle einige, dass man Kimch’i im Supermarkt oder im Restaurant bekommt. Überall beherrschen es noch die Mütter und Großmütter, aber der aktuellen Generation Koreaner scheint die Kenntnis um die Geheimnisse des Kimch’i mit einem Schlag abhanden zu kommen. Für Ausländer ist das ‚korean Sauerkraut‘ zunächst gewöhnungsbedürftig, ich aber habe sehr schnell einen Faible dafür entwickelt… solange die Qualität stimmt. Mit dem was die Mensa hier Kimch’i nennt kann man mich jagen, aber so manches auswärtige Mahl wurde mit ganz ausgezeichnetem Kohl ergänzt.

Ich jage derweil weiter nach einem Rezept.

짜장면/ Dschdaschan mjon/ Schwarze Nudeln

Mein erstes koreanisches Mahl. Man sieht ihnen nicht an, woraus ihre schwarze Soße gemacht ist, doch ich vermute dass in jedem Fall Schinkenwürfel und eine Art Kohl in der Tinte stecken. Letzterer könnte auch für die abenteuerliche Färbung verantwortlich sein. Dem Laien vorgesetzt wird es auch sehr schnell gruslig – mit einem vom ungeübten Stäbchengebrauch eingefärbten Gesicht dürfte man sofort ans nächste Horror-Set. Dabei sind diese Nudeln, wie man das von Menschen so kennt, trotz ihres schwarzen Kleides ganz ungefährlich, da gar nicht scharf, frei von Fisch und sogar in der Mensa furchtbar lecker. Bei den letzten beiden Eigenschaften hinkt der Vergleich mit Gothiks dann schon wieder ein wenig.

라면/ Lamjon/ Nudelsuppe

Die fertig Nudelsuppe, das koreanische Nationalessen und so überhaupt nicht nahrhaft. Gibt es auch schon mal als Mensaessen serviert…


1 Kommentar »

  1. Peter!
    Das sieht aber alles irgendwie gar nicht lecker aus…. Aber ich glaube dir jetzt einfach mal, dass es gar nicht soooo schlimm ist 😉

    Du hast im übrigen meine Mail immer noch nicht beantwortet…! 😦

    Kommentar von Franziska — Mai 10, 2010 @ 6:59 am


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