Das Reiskorn

Teil XIII – Denn du bist, was du isst

Mai 8, 2010
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Heute gibt es einen kleinen Einblick in das koreanische Essen. Nachdem ich euch, meiner werten Leserschaft zu Beginn einen ganz gräulichen Eindruck der hiesigen Küche vermittelt habe und ihr euch zwischendurch immerhin einen bildlichen Eindruck davon machen konntet, was hier so alles auf dem Tisch steht, möchte ich jetzt einige explizit lobende Worte anbringen. Man muss nicht einmal Fisch mögen um hier sehr, sehr lecker essen zu können.

Die koreanische Essgewohnheiten unterscheiden sich grundlegend von unseren. Da ist an erster Stelle natürlich der Reis, der hier sowohl das Brot, als auch die Kartoffeln, als auch die Pasta ersetzt. Es gibt einfach zu jeder warmen Mahlzeit Reis und anders als daheim gibt es derer pro Tag drei. Eintopf, Reis, Kim’chi und zwei weitere Beilagen – so sieht ein traditionelles koreanisches Frühstück aus. Natürlich hält auch hier der Lebensstil des großen Bruders Amerika Einzug und Sandwiches oder Cornflakes sind mittlerweile durchaus üblich. Auch die junge Generation zieht es aber weiterhin vor ihr Essen zu teilen. Viele Restaurants oder Lieferanten bieten gar keine Gerichte für Einzelpersonen an. Lange habe ich mich gewundert warum das frittierte Hähnchen so teuer ist, bis ich nach einer Bestellung feststellte, dass diese Menge niemals für mich alleine konzipiert war. Klassischerweise stehen in der Mitte eines sehr niedrigen Tisches, vor dem man nur auf Kissen sitzt oder kniet, viele kleine Schalen mit verschiedensten Beilagen aus denen sich jeder mit seinen Stäbchen bedient. Eigentlich ist es kulturell nicht vorgesehen etwas alleine zu tun.

비빔밥/ Bibimbab / Allerlei Reis

Ein Gericht das einst aus der Not geboren, ist heutzutage ein Klassiker an jeder koreanischen Tafel. Als Korea vom Krieg verwüstet und bitterarm fand man mit diesem Reistopf eine abwechslungsreiche, aber kostengünstige Möglichkeit der Sättigung. Meistens finden sich darin fünf verschiedene Gemüsesorten, darunter Sojasprossen, Bohnen, Möhren, häufig Pilzen angereichert mit ein wenig Fleisch und garniert mit einem gebratenen Ei. Vermengt wird das Ganze dann mit einer schön scharfen Soße und sieht herrlich unappetitlich aus. Schmeckt aber voll lecker.

돈까스 / Tongasse / Schnitzel (!)

Wenn einem saurer Kim’Chi, scharfe Topoki, schwarze Nudeln oder Fisch in all seinen Farben und Formen nichts ist, auf das gute, deutsche Schnitzel ist auch am anderen Ende der Welt verlass. Gut hier hält man es für eine Erfindung der Japaner, aber das hindert sie nicht daran es trotzdem schmackhaft zuzubereiten. Egal ob vom Huhn, von der Pute oder vom Schwein, manchmal mit Käse gefüllt, aber immer paniert, schwingt beim Verzehr eines Tongasse immer ein Hauch Heimat mit. Allein eines haben sie noch nicht ganz gemeistert. Wenn ich mein Schnitzel schon knusprig paniere, wo ist der Sinn eben jene Panade anschließend mit Bratensoße wieder aufzuweichen?

토포키/ Topoki/ Reiskuchen in scharfer Soße

Süßer Reiskuchen ist schwer widerlich. Packt man ihn aber in scharfe Soße erhält man das koreanische Äquivalent zum Kartoffelkloß – und das ist mindestens genauso schmackhaft. Selten als eigene Mahlzeit, sondern als eine von vielen Beilagen serviert, isst man dazu natürlich weiterhin Reis.

볼고기/ Bulgogi/ Fleischpfanne

Die koreanische Art Fleisch zu garen. Viel weiß ich darüber nicht zu sagen, nur dass es aus einer großen Pfanne, mit viel, viel Zwiebeln stammt, gar nicht mal so scharf ist und hier bei McDonalds auch als Burger angeboten wird.

김치/ Kimch’i

Der Allgegenwärtige. Kohl, Rettich, Kopfsalat oder was man sonst noch sauer-scharf einlegen kann, wenn schon drei mal am Tag, dann wenigstens mit etwas Abwechslung. Bisher habe ich schon so Manchen hier gefragt, wie man diese traditionelleste aller Traditionen denn zubereitet… und erschreckenderweise waren sie sich alle einige, dass man Kimch’i im Supermarkt oder im Restaurant bekommt. Überall beherrschen es noch die Mütter und Großmütter, aber der aktuellen Generation Koreaner scheint die Kenntnis um die Geheimnisse des Kimch’i mit einem Schlag abhanden zu kommen. Für Ausländer ist das ‚korean Sauerkraut‘ zunächst gewöhnungsbedürftig, ich aber habe sehr schnell einen Faible dafür entwickelt… solange die Qualität stimmt. Mit dem was die Mensa hier Kimch’i nennt kann man mich jagen, aber so manches auswärtige Mahl wurde mit ganz ausgezeichnetem Kohl ergänzt.

Ich jage derweil weiter nach einem Rezept.

짜장면/ Dschdaschan mjon/ Schwarze Nudeln

Mein erstes koreanisches Mahl. Man sieht ihnen nicht an, woraus ihre schwarze Soße gemacht ist, doch ich vermute dass in jedem Fall Schinkenwürfel und eine Art Kohl in der Tinte stecken. Letzterer könnte auch für die abenteuerliche Färbung verantwortlich sein. Dem Laien vorgesetzt wird es auch sehr schnell gruslig – mit einem vom ungeübten Stäbchengebrauch eingefärbten Gesicht dürfte man sofort ans nächste Horror-Set. Dabei sind diese Nudeln, wie man das von Menschen so kennt, trotz ihres schwarzen Kleides ganz ungefährlich, da gar nicht scharf, frei von Fisch und sogar in der Mensa furchtbar lecker. Bei den letzten beiden Eigenschaften hinkt der Vergleich mit Gothiks dann schon wieder ein wenig.

라면/ Lamjon/ Nudelsuppe

Die fertig Nudelsuppe, das koreanische Nationalessen und so überhaupt nicht nahrhaft. Gibt es auch schon mal als Mensaessen serviert…


Teil X – Sing when you are winning

April 13, 2010
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Vorwort: Es tut mir Leid, dass dieser Eintrag so lange auf sich warten ließ – fast einen Monat ist hier nichts mehr geschrieben worden. Der Bärenteil des folgenden Eintrags stand dabei schon fast genauso lange, nur eine Vielzahl von Aufgaben, nun eigentlich genauer die Notwendigkeit diese Aufgaben zu erledigen und mein Mangel an Disziplin dieser Notwendigkeit nachzukommen, hielt mich davon ab dem Reiskorn näher zu widmen. Das will ich ändern und beabsichtige von nun an wenigstens jeden Sonntag einen neuen Eintrag zu publizieren.

Als kleine „Entschädigung“ gibt es neben dem längsten bisherigen Eintrag auch noch drei neue Photoalben – der Campus, eine Galerie koreanischen Essens und ein paar Eindrücke der Innenstadt von Incheon – alle auch im Menü auf der rechten Seiten zu finden. Viel Spaß.

Eigentlich wollte ich doch nur etwas Essen. Aber wie heißt es so schön: Machen wir uns nichts vor, endet doch eh alles wieder im Exzess!

In der Lobby traf ich auf Ling, eine Chinesin mit der ich einige Tage zuvor eben dort wenige Worte gewechselt und wurde von ihr und ihren Freunden sofort ganz freudig begrüßt. (Wie man einen als westlicher Ausländer hier sowieso erstmal überall ganz freundlich begrüßt wird.) Nach dem Austausch einiger freundlicher Plänkeleien fragte man mich recht bald, was meine Pläne für den Abend seien, ich hatte keine und so ward es schnell beschlossen, dass ich die über 15-köpfige Truppe mit in die Stadt begleiten sollte. Mittlerweile könnte man meinen, ich sei es gewöhnt in den Bus zu steigen ohne zu wissen, wohin die Reise geht.

Wir endeten in der gleichen Gegend, wo wir bereits die Ankunft der Franzosen im Rio’s begingen, aber dieses Mal sollte es mich in ein Nore-Bang verschlagen, einen Gesangs-Raum. Nore-Bang kann in allen Größen mieten, zu Zweit oder zu Zwanzigst, aber der Zweck ist immer derselbe: Alkohol bestellen, trinken und Karaoke singen. Also wurden Soju und Bier (oder was man hier so Bier nennt, leicht bitteres Wasser halt) geordert und dazu gabs lecker Hähnchen und Reiskuchen. Letzterer hat mit dem süßen Reiskuchen auf meinen Bildern allemal die Konsistenz gemeinsam, denn man servierte ihn in scharfer Soße. In dieser Kombination erinnerte es mich an Kartoffelklöße und mundete gleich viel besser als jenes gesüßte Pendant, dessen Eigengeruch allein mich bereits in die Flucht schlagen konnte.

Unter den ganzen Koreanern stellte ich natürlich (mal wieder) die Sensation dar und so wurden bald die Rufe laut, ich möge anfangen zu singen. ‚Denn sie wissen nicht, was sie tun‘ dachte ich mir noch, und kam willig der Bitte nach mich vor der Meute zum Affen zu machen – und wenn die Jahre des darstellenden Spiels nur für das radikale Senken meiner Hemmschwelle gut waren. Auf die Schnelle habe ich zu Metallica gegriffen, wobei natürlich niemand „Whiskey In The Jar“ kannte.

Musikalisch ist Korea sehr regional geprägt, das heißt es gibt K-Pop und einige ganz wenige amerikanische Pop(-Künstler) und dann lange nichts. Wenn man also die Leute fragt ob sie von Legenden der Rock-Musik wie AC/DC, David Bowie oder Alice Cooper, und manchmal sogar Metallica oder Queen, etwas gehört haben, erntet man meist nur verständnislose Blicke. Nun habe ich selbst noch so manche klassische Bildungslücke, aber bereits am Bandnamen zu scheitern?

Nichtsdestotrotz wurde meine Darbietung mit frenetischem Jubel begrüßt, sogar noch als ich mit dem Singen schon angefangen. Das mag zum einem an dem sehr gnädigen Mikro gelegen haben, welches mit einem sehr dankbaren Hall ausgestattet, die Stimme des Interpretieren meist nur noch erahnen ließ. Zum anderen habe ich mir zu Metallica natürlich das Kopfschütteln nicht nehmen lassen – und wohl dosiert ist das bereits zu Hause ein altbewährter Partyspaß. Dahingegen kannte mein Entsetzen keine Grenzen, darüber was mit diesem herausragenden Stück Musik angestellt wurde – an meine Ohren drang da ein wohl spezieller Nore-Bang-Remix der gänzlich ohne E-Gitarren auskam, an derer statt man, ich vermute, ein Akkordeon vernahm. Wir sind hier doch nicht bei Humppaa!

Auch den restlichen Abend, bis Ling und ich recht zeitig aufbrechen mussten, um die Auflagen unserer Herberge noch zu erfüllen, erwies es sich als unmöglich eine gemeinsame Liedgutbasis zu entdecken. Jedwedes Lied, welches ich auch hätte singen können, war ihnen unbekannt und umgekehrt. Selbst für die unglaublich spaßige wie einfache Ghostbusters Titelmelodie ließ sich niemand begeistern. Und entgegen allen Sojus bewahrte ich mir den letzten Rest Würde, der mich davor bewahrte „Last Christmas“ zu singen.

Kaum eine Woche später traf ich in der Absicht mir ein Abendbrot zu erjagen Fatima und ihre Freundin Sun, die mich fragten, wie meine Pläne so ausschauen. Mein Idee ins Kino zu gehen, hatte sich kurz zuvor in Wohlgefallen aufgelöst und so ging das Spiel wieder von vorne los. Ziel war diesmal Bupyeong , Downtown Incheon. Hinter den stilechten Schwingtüren der „Western Bar“ Goose Goose saßen allerdings keine hartgesottenen Cowboys sondern fast ausschließlich Englischlehrer aus jeder Ecke des Planeten. Nick zum Beispiel kommt aus Neuseeland und war bereits bei unserer Ankunft gut dabei und seiner Contenance war der folgende Abend keinesfalls nur förderlich. Zwar hat er mehrfach versucht mich zum Rauchen zu verführen, aber gleichzeitig begegnete er bisher als Einziger, der Erzählung meiner Fernbeziehung mit der vollsten Überzeugung, wir befänden uns auf dem richtigen Weg. „Ihr schafft das schon!“ Das fand ich beeindruckend und ermutigend zu gleich. Seine Situation ist eine ganz ähnlich, lebt seine Freundin doch in Peru – auch kein Katzensprung von Südkorea. Nachdem ich sowohl beim Pool als auch beim Dart erfolgreich versagte, zog es uns weiter, der N’s Pub als nächste Station unserer Reise durch die Nacht von Incheon. Mit von der Partie Alex, Suns Freund, und Odi aus Kalifornien sowie natürlich Sun und Fatima. Man höre und staune Alkohol gab es von da an fast keinen mehr, denn dort haben wir hauptsächlich das gute Hähnchen und sehr ausgezeichnete Freedom Fries genoßen.

Kaum eine Stunde später brachen wir sofort wieder auf, sehr zu meiner Freude diesmal endlich um ein Nore-Bang aufzusuchen. Mit den beiden Kaliforniern und Fatima als Gesellschaft war es gleich weit einfacher eine gemeinsame musikalische Basis zu finden. Egal ob Manson, Creed oder R.E.M. – irgendwer konnte immer mitsingen. Gleichzeitig konnte ich mich mit Textsicherheit zu zum Beispiel The Killers selbst überraschen. Vermutlich kam sich Sun als einzige Koreanerin im Raum auf der anderen Seite leicht verloren vor – die Schulter von Alex war dafür aber bestimmt nicht der schlechteste Ort.

Eindeutiger Höhepunkt war dann eindeutig als die versammelte Truppe mit vollem Enthusiasmus die „Strophen“ zum Rammsteins „Du Hast“ mitschmetterte. Mein Haareschütteln hat unter den Anwesenden für derart viel Enthusiasmus gesorgt, dass man unbedingt bevor der Abend sich dem Ende neigte noch ein Kostprobe sehen wollte. So musste dann, mit nur noch wenigen Minuten auf der Uhr (so ein Raum wird nach Stunden bezahlt) „Zombie“ von den Cranberries herhalten. Davon gibt es jetzt auch Bilder – die augenscheinlich außer mir bereits jeder am Campus gesehen hat…

Müdigkeit beschlich nach und nach fast jeden im Raum, weswegen jene, die es konnten bald den Heimweg antraten. Blieben Fatima und ich, die wir zwar noch sehr gut laufen, aber dennoch nicht ins Wohnheim zurückkehren konnten. Für min. 3 Stunden wäre wir dort noch nicht willkommen. Ein Dach über dem Kopf bot uns DVD-Bang, eine Mischung aus Videothek und privatem Kino. Für nur 10.000 Won pro Nase verbachten wir vor einer mehrere Meter breiten Leinwand den Rest der Nacht mit den Inglorious Basterds. Die Sofagarniutr war mir allerdings etwas suspekt, in der Art, dass ich keinesfalls wissen wollen würde, was vorherige Besucher dort bereits alles angestellt – außer Filme zu schauen. Minki hat es auch sehr amüsiert, als ich ihm erzählte, ich hätte den Film mit Fatima allein gesehen – man geht wohl zumeist davon aus, dass Paare die DVD-Bangs primär für etwas Privatssphäre beziehen. Sollte der Portier doch denken, was er wollte.

Irgendwann in den frühen Morgenstunden trudelten wir dann auch wieder am Campus ein und ich warte seit dem darauf, wann ich endlich wieder meine Stimmbänder beim Karaoke ramponieren kann – mein Kandidat der Wahl ist hierfür „Chop Suey“ von System of a Down.


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Teil VIII – To Paris with love

März 11, 2010
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An meinem Geburtstag gab es noch ein ganz besonderes Geschenk, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet hätte. Am Freitag kam hier Leben in die Bude, als auf einen Schlag eine Gruppe von neun Franzosen im Wohnheim Quartier bezog. Und das mir. Dem frankophilsten aller Kinder unter der Sonne. Nun gut, selbst die Zeiten meiner persönlichen Ressitements gegenüber diesem Land, oder vielmehr seiner Sprache sind nunmehr bereits eine Weile vorüber, doch dass ich nun in Korea final einen Grund finde, auch ohne Ketten unser Nachbarland zu besuchen, erscheint mir schon eine seltsame Fügung des Schicksals. Oder auch einfach nur konsequent, geht doch die Idee meines Besuches hier auf meine Bekanntschaften in Great Britain zurück. Ach, wie klein ist Welt.

Freitag brachte auch meinen ersten Besuch eines koreanischen Kinos, dass sich allein im Ausmaß der gegebenen Beinfreiheit von den deutschen unterscheidet. Es gab Tim Burtons Interpretation von Alice im Wunderland zu sehen und leider blieb bei mir als großes Plus lediglich der englische Akzent der echten Schauspieler hängen. Im Gesamteindruck handelt es sich um die lieblose Effekt- und Aktionversion einer einstmals ganz zauberhaften Geschichte, die zu allem Überdruss auch noch ohne eine spannenden oder auch nur im Versuch wendungsreichen Plot auskommt.

Der Depp machte natürlich trotzallem eine gute Figur

Chronicles of Narnia meets Wonderland – Sleepy Hollow wäre mir als Sparring Partner lieber gewesen.

Sowie ich jedoch von diesem Ausflug nach Hollywood zurückkehrte, saß in der Wohnheimlobby eine Ansammlung ganz und gar nicht asiatisch dreinschauender Zeitgenossen. Noch nicht einmal Inder oder Araber (die ja, wenn man es genau nimmt auch Asiaten sind) derer wir hier auch einige haben (und zu denen ein gewisses Ghettoverhältnis besteht – die Europäer bleiben unter sich, die Inder bleiben unter sich und die Chinesen vermutlich auch… sollte man dringend ändern!). Die Neun waren/sind Studenten der Wassertechnik/Hydraulik aus Nizza und ganz frisch vom Flughafen in unsere luxuriösen Unterkünfte eingekehrt. Selbst leicht überwältigt von der hohen Anzahl vertrauter Gesichtszüge, habe ich sie direkt mit Fragen überfallen. Im Gegenzug konnte ich mich mit einigen Auskünften revanchieren, darüber was es gibt, was geht und was nicht. Da auch ihre Uni nicht zum ersten Mal Studenten nach Incheon entsandt hat, konnte sie mir leider bestätigen, was mir Philipp bereits erzählt hat. Der ab Montag anlaufenden Sprachkurs wird ungünstigerweise von einer Lehrkraft gehalten, die des Englischen nicht mächtig ist. Es bleibt also spannend.

Am nächsten Tag war es ursprünglich geplant mit Hana Eierkuchen zu fertigen, um sich dann auf Incheon zu stürzen. Sie hat sich allerdings krank gemeldet und so endete ich stattdessen als Fremdenführer auf den ersten Schritten in einer neuen Welt. Die Hälfte der Franzosen entschied sich jedoch als ihr erstes echtes koreanisches Mahl einen Bic Mac zu ordern. Urteil: Kein Unterschied zur Heimat. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass auch ich, entgegen besserer Vorsätze, bereits bei McDonalds eingekehrt bin, wobei den Bulgagi-Burger, den ich dort gespeist, wird man in Europa vergebens suchen. Was eigentlich schade ist, da diese koreanische Art Fleisch zu grillen mir besser schmeckt, als die normale Fast-Food Variante.

Der Burger war gewissermaßen der Schlusspunkt eines amüsanten Abends in einer erstaunlich britischen Bar im Zentrum von Incheon. Fatima kommt zwar auch aus Frankreich, lebt allerdings schon seit Anfang Dezember hier und kennt daher schon das ein oder andere interessante Fleckchen in der Stadt. Der Kontakt zu ihr und auch zu Fouad, seines Zeichens ebenfalls Franzose, der bereits das vergangene Semester mit Philipp hier verbracht hat, kam erstaunlicher erst über ihre Landsleute zustande. Mag es daran liegen, dass nationale Grenzen auch am anderen Ende der Welt noch erste Hürden setzen?

Den Regeln der Internierungsanstalt für entrechtete Studenten Süd-Koreas gedankt, endete der Abend früh, da eine Rückkehr nach Mitternacht… unerwünscht ist. Fünf Uhr Morgens öffnen sich die Pforten unseres trauten Heims zwar wieder, aber für einen ausgedehnten Trip durch die Nacht waren dann doch die wenigsten zu haben. Ich auch nicht unbedingt, hatte ich mir genau diesen Spaß erst zwei Nächte zuvor erlaubt, als mir Philipp einen kleinen Ausschnitt des Nachtlebens von Seoul zeigte. Erkenntnis: Soju, zwanzig prozentiger Reisschnaps, ist lecker – zu lecker wenn es nach meinem Kopf und meinem Magen am darauffolgenden Magen ginge. („I like Soju, bzt Soju doesn’t like me“ – wer errät auch welches Filmzitat ich mich beziehe kriegt ein Bienchen)

Aus diesem Grund kam mir die Zurückhaltung am Samstagabend eher entgegen, aber gewiss möchte ich der Bar bald wieder einen Besuch abstatte, die mich bei meinem Eintreten so lieblich mit den Klängen von E-Gitarren empfangen hat. Eine Erlösung von dem hier so allgegenwärtigen K-Pop Gedudel. Welcher Musikrichtung die meisten meiner Begleiter jedoch ihr Herz verschrieben haben, war unschwer am zufriedenen Nicken ihrer Köpfe zu erkennen, als die Jukebox für kurze Zeit auf bassbeflügelte Sprechgesänge umschwang. Die selbe Jukebox übrigens, die auch Manson spielen kann.


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Teil VI – Hauptbahnhof… bitte alles auf Durchzug schalten

März 2, 2010
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Jetzt geht’s los! Am heutigen Tage erlebte ich meine erste koreanische Vorlesung – aus der ich bestimmt sogar zwei Dutzend Worte verstanden habe! Wendungen wie „case study“ oder „final paper“ konnte ich erfolgreich aus dem Redeschwall der Dozentin herausfiltern. Aber alles der Reihe nach.

Pünktlich, also weder als Letzter und sogar wenige Minuten vor der angesetzten Zeit gelang es mir den richtigen Raum zu finden. Dass ich dafür zunächst in die dritte Etage musste um den Gebäudeteil zu wechseln, um dann wieder hinab in die Zweite zu steigen, sei nur am Rande erwähnt. Im Klassenzimmer, denn nicht anders empfand ich die Einrichtung auf den ersten Blick und allein das große Holzpult an der Stirnseite konnte diesen Eindruck trüben, blickte mir eine erstauntes halbes Dutzend Studenten entgegen, von den ganz klar niemand erwartete mich zu sehen. Einen Platz gefunden und den jungen Herren vor mir gefragt, ob ich denn im rechten Raum säße. Das konnte er mir bestätigen, zeigte sich allerdings ob meiner Anwesenheit verwirrt, sprach ich doch ganz eindeutig nicht seine Sprache. Meine Annahme, dass der Kurs in Englisch sei, schien alle Anwesenden zu überraschen und ich fürchtete schon, mein eh bereits überschaubarer Stundenplan könnte noch weiter zusammenschmelzen.

Denn neben den 16 Stunden, die man damit zubringen wird mir die koreanische Sprache einzubleuen, findet sich lediglich Zeit für zwei weitere Kurse, die wenigstens entfernt in meiner Interessensphäre lägen: US Economics und European Trade, jeweils 3 Stunden die Woche… alle Mittwochs. Im Endeffekt wird dies für mich bedeuten an diesem Tag morgens um 9 loszulegen und gegen 18 Uhr fertig zu sein – auch mit den Nerven, denn bis dahin ohne nennenswerte Pause. Manch ein (Nicht-)Student wird sagen, endlich ein normaler Tag für diesen Mann. Die restliche Zeit soll allerdings keinesfalls gefaulenzt werden, gibt es doch schließlich Hausarbeiten zu schreiben und Sprachen zu erlernen (jaha mehrere, baumelt doch fürderhin das Damoklesschwert einer russisch Prüfung über meinem Haupt).

Meine Befürchtungen über ein zukünftiges Verständnisproblem meinerseits der Dozentin gegenüber zerstreuten sich jedoch glücklicherweise bei ihrem Eintreten, das mit der Begrüßung der „Klasse“ auf Englisch einher ging. Ja die Vorlesung würde auf Englisch gehalten. Dennoch verstand ich zunächst einmal nur Hauptbahnhof. Denn wie es sich mit ersten Stunden überall auf der Welt verhält, diente auch diese zunächst allein der Einstimmung auf das kommende Semester – in Koreanisch versteht sich. In meiner Hilflosigkeit stand mir allerdings ein neuer Freund zur Seite. Yoon, Student der Koreanisch-Russischen Handelsbeziehungen, bot mir den freien Platz neben sich an und übersetze simultan die wichtigsten Ansagen vom Dozentenpult. Ein echt netter Kerl mit dem ich hoffentlich noch einiges mehr Zeit verbringen werde, vielleicht auch hier im Wohnheim, wo auch er (wie eigentlich alle?) unterkommt. In diesem Zusammenhang wurde auch beschlossen, die eine Dienstagsstunde auf den Mittwoch zu verlegen und so den gesamten Kurs zu einem Block zusammen zu ziehen.. Halleluja!

Des Weiteren fand ich mich in einem kurzen Höhenflug der Vorfreude wieder, der leider in einer nicht völlig rosigen Landung endete. Ich habe nämlich Schwarzbrot gefunden! … nun gut vermeintliches Schwarzbrot. Endlich wieder mit Bargeld bewaffnet, fand ich mich auf der neu am Campus eröffneten bakery „Grazies“ ein um dort zu meinem Entzücken dunkles (!!!) Brot zu entdecken – ein seltenes Privileg außerhalb deutscher Landen. Also ordentlich was eingesackt (es gab unterschiedliche Exemplare) und zum Festessen mit Heimatgefühlen aufs Zimmer geeilt. Doch oh-weh schon die Ouvertüre in Form eines in Kräuteröl/butter gebratenen Baguettes bringt erste Ernüchterung: Ich halte ein süßes Gebäck in Händen! Die dunklen Brotfladen entpuppen sich auch sehr schnell als eher kuchenähnliche Gebilde mit einer Fruchtfüllung, von denen eines sogar innen rosa ist. *schauder*

Nachdem ich gestern das erste Abendessen im Wohnheim verpasst habe, ging ich mit dem wenigen Bargeld was vom Vormonat noch verblieben auf die Jagd nach einer alternativen Nachrungsquelle. Der örtliche 7Eleven, eine Mischung aus Kiosk und kleinem Supermarkt, ein Tante-Emma-Laden als Filialen-Kette quasi, bietet leider hauptsächlich Süßwaren, süßes Gebäck sowie Instant-Gerichte an, deren Inhalt und Zubereitung mir jedoch weiterhin ein Rätsel sind. Allerdings gibt es dort auch eine Sorte Brot, oder das was sie hierzulande für Brot halten und dem hätte ich mich genügsam gefügt – hätte es nicht 1800 Won gekostet, während sich in meinen Taschen lediglich 1790 Won zusammenkratzen ließen – Halleluja – Murphy ich mag dich. Aber jetzt bin ich ja wieder flüssig!


Teil V – Der Gott der kleinen Dinge

Februar 28, 2010
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Um einen gewissen Kontrast zum gestrigen kulinarischen Inferno zu geben, möchte ich berichten, dass es mir heut gelungen ist, mir eigenständig ein Schnitzel zu erjagen, serviert zusammen mit Reis, Kohl, Kim Ch’i und Suppe. Lecker wars – und Schoko-Erdnuss Eis gab es zum Nachtisch. Darüber hinaus begegnete mir an diesem Tage der erste Koreaner mit Pferdeschwanz. Ich bin nicht allein!

Warum ist das eine so herausragende Besonderheit? Nun man verbringt viel Zeit in der Metro auf dem Weg von Incheon nach Seoul und irgendwann kam ich nicht mehr umhin die Uniformität meiner Mitreisenden zu bemerken. Damit meine ich nicht (oder zumindest nicht allein) die allgemeine Ignoranz des Europäers gegenüber der asiatischen Physiognomie, denn keinesfalls finde ich, dass die Gesichter meiner Mitmenschen alle gleich aussehen, nein es fiel mir lediglich auf wie gering die Bandbreite an vorherrschenden Frisuren oder Kleidungsarten ist. Es fehlt praktisch völlig an Subkulturen. Im Vergleich zum Beispiel mit einer Reise durch Berlin wird man hier völlig vergebens nach Punks, Hip-Hoppern, Gothics, Metalern, Indies oder auch Skinheads suchen. Natürlich hat hier außerdem jeder schwarze Haare und dunkle Augen, dafür können sie nichts, aber es verstärkt dennoch den Eindruck der Gleichförmigkeit. (Mir kam in diesem Zusammenhang der interessante Gedanke, dass eben nicht die einheitliche Haar- und Augenfarbe hier in der Kante außergewöhnlich ist, sondern vielmehr der (Nord)europäische Hang zur Vielfarbigkeit im Kopfbereich eine Besonderheit darstellt. Wo sonst auf der Welt, außer im sehr bunt besiedelten Amerika, gibt es mehr als eine vorherrschende Haarfarbe? Und dieser bunte Haufen hat die fanatischsten … der jüngeren Weltgeschichte hervorgebracht.)

Während der Fahrt mit der Metro kann ich mir also in zweifacher Hinsicht wie ein Paria vorkommen. Nicht nur bin ich als Europäer selbst hier in der Großstadt auffällig wie ein bunter Hund (oder wie ein stark pigmentierter Mitbürger in Chemnitz‘ Straßen), meine langen Haare und mein Bart (die Männer hier sind ALLE nicht richtig angezogen) sind fast noch auffälliger als meine Herkunft. Aus diesem Grund traute ich meinen Augen nicht ganz, als mir heute dieser junge Herr mit einem Haargummi in der Mähne über den Weg lief und musste mich sogleich noch umdrehen, um mich des Anblicks zu vergewissern.

Für das deutsche Gemüt zunächst ungewohnt ist der umfassende Service eines koreanischen Kaufhauses. Selbst in den kleineren Zweigstellen sind eine Reihe Leute zunächst einmal nur hauptberuflich damit beschäftigt freundlich zu sein. So stehen an jedem Kasseneingang mindestens zwei fein herausgeputzte Herren, die jeden neuen Kunden mit einer Verbeugung begrüßen. Darüber hinaus finden sich in der Lebensmittelabteilung dutzende kleiner Stände, an denen, vornehmlich Frauen, dem vorbeischlendernden König Kunde Teile des Sortimentes zur Verkostung anbieten. Mit einem ausreichenden Maß an Dreistigkeit kann man so einen Laden hungrig betreten und satt wieder verlassen. Über so eine Kostprobe bin ich übrigens auch in den jüngst Beschriebenen Genuss von getrocknetem Seegras gekommen. Dieser Einblick in das hiesige Nahrungsmittelangebot ist sehr hilfreich, leider ziehen die besonders leckeren Stände mitunter dermaßen viele Menschen an, dass zeitweise auf den Gängen kein durchkommen mehr ist.

Beim Schlendern durch die öffentlichen Gebäude dieses Landes konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei den Koreanern um ein sehr ungeschicktes und von seiner eigenen Ungeschicklichkeit schwer bedrohtes Völkchen handelt. Und das wo doch unser eigener öffentlicher Raum gewiss nicht arm an Hinweisschildern ist. Was ich in der letzten Woche nicht alles über die Benutzung von Rolltreppen gelernt habe! Nicht nur informieren eine Reihe Piktogramme über die Tücken der Benutzung eines solchen Gerätes (Bitte den Handgriff benutzen, bitte nicht mit Absatzschuhen oder Regenschirmen stecken bleiben, usw.), dessen Stufen außerdem in hübschem Signalgelb umrahmt sind, auch macht auf den meisten Metro-Bahnsteigen ein kurzes Video deutlich welche Tätigkeiten auf Rolltreppen bitte tunlichst zu unterlassen sind: einschlafen, hinsetzen, den Vordermann schubsen, ect… Die Lautsprecherhinweise hingegen, die bei der Einfahrt jeder Bahn auffordern den aussteigenden Passagieren den Vortritt zu lassen, würde man sich in Deutschland bei mancher Reise auch wünschen.

Die meisten Koreaner ziehen es übrigens vor in der Rush-Hour für die Rolltreppe anzustehen, anstatt auf die klassischen Stufen auszuweichen. Wer zu weniger geschäftigen Zeiten auf altertümliche Weise Höhenunterschiede überwindet, hat sowieso einen an der Waffel.


Teil IV – Schleimig aber vitaminreich

Februar 27, 2010
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Heimgekehrt bin ich, von dem Versuch eine Mahlzeit zu erwerben. Glücklos bin ich nicht geblieben, wenngleich auch nur aufgrund der Hilfe eines netten Chinesen, der seit Jahren den Namen „John“ führt, auf den ihn sein Englischlehrer einst taufte, obwohl er gewiss nicht unter diesem Synonym geboren wurde. Wobei der Begriff Mahlzeit hier in seinem weitesten Sinne zu fassen ist, denn satt geworden bin ich wohl, aber in der Hauptsache allein von trockenem Reis. Denn die dazu servierte Suppe, die unsere Mensa augenscheinlich jeden Tag auf den Tisch bringt, schmeckt leider so wie der Strand von Fanö (eine dänische Insel auf der ich in jüngeren Jahren öfter geruhte mit meinen Eltern Urlaub zu machen) bei Ebbe riecht. Für jene, denen es noch nicht vergönnt war ihr Gesicht von der Brise der Nordsee umwehen zu lassen, mag der Vergleich mit dem Geruch von Hafenwasser dienlich sein, nur in abgeschwächter Intensität. Letztendlich irgendwie nach totem Fisch. Das konnten die Beilagen leider auch nur bedingt ausgleichen, da der koreanischen Küche der Brauch zu eigen ist alles, was nicht warm auf den Tisch kommt, in Essig einzulegen. Insbesondere Kim Ch’i, eingelegter Kohl, unter Umständen auch mit Gurken zubereitet, findet sich als Beilage zu fast jedem koreanischen Essen. Dieser schmeckt auch nicht unbedingt schlecht, nur ist die konstante Essigsäure für den europäischen Gaumen zunächst gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus ist der Kim Ch’i natürlich gut gewürzt, was er mit den meisten anderen koreanischen Gerichten, ob heiß oder kalt gemein hat. Glücklicherweise habe ich für diese Eventualität bereits ausreichend in deutschen Landen geübt, sodass die Sorge meiner koreanischen Freude ob meiner Geschmacksnerven eine unbegründete ist. Der Schaden ist bereits angerichtet, die Jungs haben unlängst schon das Zeitliche gesegnet.

Kaum scharf war dahingegen eine Sauce, die mir in den ersten Tagen ebenfalls schon öfter zu, wie könnte es anders sein, Reis aufgetischt wurde, die, mit einer mir unbekannten Form von Kohl und/oder Lauch gemacht, in ihrer Farbe stark an die dunklen Blautöne von Tinte erinnerte. Die Kombination hat durchaus gemundet, nur birgt sie für mich als Europäer den Nachteil im Erscheinungsbild – wie so viele Gerichte der koreanischen Küche. Mir ist es zumeist lieb wenn ich aus dem Anblick meiner Speise noch erahnen kann, welche (Grund)zutaten dereinst zur Zubereitung verwendet wurden. Womöglich lässt sich der erste Eindruck der meisten koreanischen Gerichte mit „schleimig“ recht passabel zusammenfassen.

Schlimmer geht bekanntlich immer und wo der Geschmack der hier am Campus stets servierten Suppe lediglich ein unangenehmer war, wurde mir beim Versuch getrocknetes Seegras zu genießen gleich völlig anders zumute. Denn anders als beim Suppengericht, bei dessen skeptischer Betrachtung mir auch schon der ein oder andere Tentakel über den Weg schwamm, verlangt, um sich den Geschmack von getrocknetem Seegras adäquat vorstellen zu können, der angenommene Geruch von altem Hafenwasser einer gedanklichen Potenzierung. Zum Zeitpunkt dieses Experiments befand ich mich mit Hana gerade in der Lebensmittelabteilung der Kaufhauskette „Lotte“, eine Marke von der es in Korea quasi alles gibt, vom Supermarkt über Kleidung, zu Kinos und Fastfood Restaurants, also habe ich mein Heil bei den Getränken gesucht. Dabei stieß ich auf einen sehr leckeren Tee, dessen Geschmack mich stark an den der Reiscracker bei uns im Lande erinnerte, und der im Gegensatz zu jedem anderen Erfrischungsgetränk, das man bei uns bekommt, keinen Zucker oder Ersatzstoff enthielt. Er war, wie sich das für Tee gehört, einfach nicht süß – unglaublich.

So sei hiermit Entwarnung gegeben, denn mir sind in meinen ersten Tagen auch durchaus sehr leckere Speisen zwischen die Kiemen gekommen, aber von denen berichte ich ein Andermal, wenn zum einen ihre Liste bereits länger geworden und ich zum anderen womöglich bereits in der Lage bin, ihre Namen zu nennen.

Eine kleine Auswahl der hiesigen Erfrischungsgetränke


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    Eine kleine Reise durch das Land der Morgenstille
    April 2021
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